der andere fellner

Sebastian Fellner

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Werther-Effekt: Infos und Links zu den Journalismustagen 2015

Ergänzend zu meinem Vortrag bei den zweiten Österreichischen Journalismustagen habe ich hier einige Infos und Links zum Thema Werther-Effekt und Suizidberichterstattung zusammengefasst.

Leitfäden zur Berichterstattung

Berichte und Texte

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Im Zweifel Rassismus

17.35: Zwei Updates. Lisi Moosmann hat mich darauf hingewiesen, dass ihr unten zitierter Tweet im Headerbild aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Helge Fahrnberger möchte, berechtigterweise, auch nicht Coverboy für den von mir kritisierten Gruppenrant herhalten: »Ist mir schon bei den Retweets und Antworten aufgefallen, dass manche Leute, die meinem Tweet zustimmten, was anderes meinten als ich.«, schreibt er in seinem Kommentar auf diesen Post unten.

Tweets zur News Geschichte

Das ganze wäre ganz anders ausgegangen, hätten die Autor*innen der NEWS-Geschichte einfach einen Menschen mit dunkler Haut für die Aufmacherseite ihrer Flüchtlingsgeschichte ausgewählt. Den Rest des Beitrags lesen »

Wem schaden Medien, die prekäre Praktika vergeben? Am Ende sich selbst.

Medienunternehmen lassen Praktikant*innen für ein paar Hundert Euro schuften. Für so wenig Geld zu arbeiten, das können sich nur die Kinder wohlhabender Eltern leisten. Auf Dauer schaden sich die Unternehmen selbst, wenn sie so eine Generation von Upperclass-Journalist*innen heranziehen.

Sechs Monate Praktikant*in bei PULS4, 400 Euro pro Monat – das Angebot, das vor einigen Tagen in eine Journalist*innengruppe auf Facebook gepostet wurde, zeigt einmal mehr: Wer ein Praktikum im Journalismus will, braucht wohlhabende Eltern. Medienunternehmen beuten junge Menschen aus, um Personalkosten zu drücken. Das Ergebnis ist eine Branche, die von jenen beherrscht wird, denen Mama und Papa die Miete zahlen, wenn die Praktikumsentschädigung nicht einmal für den Lebensmitteleinkauf reicht.

Screenshot Facebook: PraktikantIn bei "Guten Abend Österreich" gesucht – Sechs Monate lang, 400 Euro pro Monat,

Insgesamt 2400 Euro für sechs Monate Arbeit bei PULS4 – machbar, wenn Mama und Papa die Miete bezahlen.

Auf Dauer schadet das der ganzen Gesellschaft. Denn die Demokratie wird gestützt von Medien, die im stillen Auftrag der Bevölkerung deren Anliegen vertritt, hinterfragt und kritisiert. Immer stärker jedoch kommen jene, die Spalten und Sendeminuten füllen, nicht aus aus der breiten Bevölkerung. Akademiker*innenkinder schreiben für Blätter, die ihr Papier mit Werbungen für Großstadtgeländewagen und Luxusuhren finanzieren.

Vom Arbeiter mit Pflichtschulabschluss sind sie weit entfernt. Dass er zu fragwürdig kampagnisierenden Gratisblättern greift, haben sich die traditionsreichen Medien selbst zuzuschreiben. Der Mist, der Tag für Tag ins kostenfreie Kleinformat gedruckt wird, bringt für seine Leser*innen keinen Mehrwert, doch zumindest gibt er vor, die Welt der Bevölkerung zu kennen und ihre Anliegen zu vertreten.

Das Zeitungssterben ist hausgemacht. Denn anstatt im Bewusstsein ihres demokratiepolitischen Auftrags ihr Publikum auch personell wieder zu spiegeln, ersetzen die Verlage eine Redakteur*innenstelle mit Praktikant*innen, die in ihren Ferien keine Supermarktregale einschlichten müssen, um das Haushaltsbudget aufzufetten. Medien müssen lernen, dass die intellektuelle Selbstbefriedigung von Privatschulkindern nicht nur der Demokratie nicht nützt. Eine sozial breit aufgestellte Redaktion ist Voraussetzung für ein dauerhaft funktionierendes Medium. Und das muss Unternehmen auch etwas wert sein.

Der Golan-Abzug: Ein Begräbnis.

Gerald Klug wählte den Weg des geringsten Risikos. Zumindest auf kurze Sicht. Er zeigt, dass mutige Außenpolitik in Österreich keine Rolle spielt.

Eines muss man dem Verteidigungsminister lassen: Er hat sein Versprechen gehalten. Wenn’s brenzlig wird, gehen wir – es wurde brenzlig, wir gehen. Gleichzeitig bestätigte er auch das Bauchgefühl vieler Beobachter*innen österreichischer Außenpolitik, dass diese nur Innenpolitik sei, die halt im Ausland stattfindet.

Die Regierung opferte ihren Beitrag zu Sicherheit und Stabilität am Golan – und damit im gesamten Nahen Osten – dem Wahlkampf. Ja, sicher: Dieser UN-Einsatz verlor in den letzten Wochen den Charakter einer holiday mission. Ja, die Umstände haben sich geändert, ja es ist gefährlicher geworden.

Aber immerhin fahren Soldat*innen zu dieser Mission. Mit Waffen und sonstigem Kriegsgerät. Mit Gewehren beobachtet man nicht. Einen solchen Einsatz nur dann weiter zu führen, wenn auch sicher nichts passiert, zeugt nicht von einer mutigen Außen-, sondern von einer feigen Innenpolitik. Sonst hätte man die Truppen für heiklere Umstände gewappnet, um den Frieden in der Zone weiter zu sichern.

An Minister Klugs Stelle möchte man freilich nicht stehen. Hätte er die österreichischen Gruppen in der (verletzten) Pufferzone gelassen, hätte er die politische Verantwortung für Soldat*innen getragen, die dort unter Umständen zu Schaden gekommen wären.

Mit dem Abzug des Bundesheers gefährdet er aber die gesamte friedensichernde Mission – eine internationale Eskalation des Konflikts würde ihm allerdings innenpolitisch kaum auf den Kopf fallen. Dafür ist dem österreichischen Wahlvolk der Nahe Osten zu egal.

In einigen Jahren wird sich der Minister vielleicht unangenehme Fragen stellen lassen müssen. Ob ein Zähnezusammenbeißen ihn zwar den Posten gekostet, dafür viel Leid erspart hätte. Und ob es weitsichtig war, das letzte Überbleibsel Österreichs als internationaler Player in der Friedenssicherung zu begraben, weil eine Nationalratswahl anstand.

Ist Nikolaus Berlakovich ein Grüner?

Jetzt hat er’s übertrieben. Seit 2008 arbeitet der Umweltminister subtil gegen die ÖVP, Berlakovichs jüngste Aktion lässt nur einen Schluss zu.

Das Umweltmonopol, hört man oft, haben die Grünen verloren. Sie hätten so keine Möglichkeit, sich als Ökopartei zu profilieren. Das würde stimmen, wäre da nicht der Umweltminister.

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