Wir brauchen Journalismusjournalismus.

Achtung, das wird meta: Reden wir über Medienjournalismus. Wer bringt die Geschichten hinter den Geschichten? Warum der Branche ein schonungsloser Blick auf den Journalismus gut täte.

Politik ohne Politikjournalismus? Unvorstellbar. Gehen wir davon aus, dass Journalismus die Folge der Notwendigkeit ist, über Dinge zu berichten und sie zu reflektieren. Wir müssen über Politik reden, weil sie uns betrifft, weil Gutes hervorgehoben und Missstände aufgezeigt werden müssen. Öffentlich, journalistisch.

Und wer redet in Österreich über Journalismus? Öffentlich, journalistisch?

Dass es da genug zu besprechen gibt, steht wohl außer Streit. Eine Print-Landschaft, beherrscht vom (Gratis-)Boulevard, der jeglichen Skrupel verloren, so er ihn je gehabt hat. Ein öffentlich-rechtliches Fernsehunternehmen, dessen Redaktionen die politischen Einflussnahmen abwehren muss, die die Fehlkonstruktion seiner Gremien mit sich bringt. Und Qualitäts-Onlinezeitungen, die sich noch nicht so recht zwischen Clickbaiting und tollen, aufwendigen Features entscheiden können.

Kurz: In diesem Land wird Journalismus gemacht, über den es sich zu berichten lohnen würde. Das passiert zum Teil in verschiedenen Medienressorts – nur welchen Stellenwert hat Journalismusjournalismus gegenüber Meldungen über Auflagenzahlen, Geschäftsmodelle und Werbeetats? Wer spricht in Österreich über die Geschichten hinter den Geschichten? Wer kontrolliert die Kontrolleure?, wie es Barbara Kaufmann in einem älteren Blogpost schreibt.

Guter Journalismusjournalismus macht sich unbeliebt.

Und ja, natürlich, Auflagenzahlen sind nicht ohne Bedeutung und neue Geschäftsmodelle für guten Journalismus eine spannende Sache. Ja, natürlich müssen wir über die Rahmenbedingungen und die ökonomische Seite des Journalismus sprechen. Aber welchen Nutzen ziehen wir daraus, wenn wir nicht berichten, was innerhalb der Rahmenbedingungen passiert?

Wo ist Platz dafür, zu zeigen, wie sich das profil in den letzten 23 Jahren journalistisch entwickelt hat? Wo können Journalist*innen die Geschichten hinter tollem Lokaljournalismus erzählen? Wer kann wo Interessenskonflikte von Journalist*innen rekonstruieren, die Kuschelstorys schreiben? Und wer schaut dem investigativen Journalismus auf die Finger, der sich stets in heiklem Terrain bewegt, wenn es um Nähe und Distanz zu Informant*innen geht?

Es gibt angenehmere Richtungen im Journalismus – wer klopft schon gern den Kolleg*innen auf die Finger oder lobt sie, nur um dann entweder als Besserwisser*in oder Schleimer*in da zu stehen? Gute Journalismusjournalist*innen machen sich unbeliebt.

Ein ehrlicher Bick kann das Vertrauen in den Journalismus zurückgewinnen.

Wer macht nun in Österreich Journalismusjournalismus? Deutschland hat Zapp, Österreich kann davon wohl leider nur träumen. Traut sich eines der etablierten Printmedien? Steigt das Falter-Medienressort zu mehr als einem Dreiseiter auf? Oder entdeckt ein ganz neues Online-Ding diese Nische, die ich für potenziell ziemlich lukrativ halte?

Denn – das ist jetzt meine eher gewagte These – Journalismusjournalismus ist nicht nur für die spannend, die selbst Journalismus machen. Sondern auch für die, die von einem ganz anderen Job nach Hause kommen und Zeitung lesen, Radio hören oder fernsehen. Und der Branche täte das gut. Denn ein ehrlicher, schonungsloser Blick auf Berichterstattung kann das Vertrauen in den Journalismus zurückgewinnen.

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