Wem schaden Medien, die prekäre Praktika vergeben? Am Ende sich selbst.

Medienunternehmen lassen Praktikant*innen für ein paar Hundert Euro schuften. Für so wenig Geld zu arbeiten, das können sich nur die Kinder wohlhabender Eltern leisten. Auf Dauer schaden sich die Unternehmen selbst, wenn sie so eine Generation von Upperclass-Journalist*innen heranziehen.

Sechs Monate Praktikant*in bei PULS4, 400 Euro pro Monat – das Angebot, das vor einigen Tagen in eine Journalist*innengruppe auf Facebook gepostet wurde, zeigt einmal mehr: Wer ein Praktikum im Journalismus will, braucht wohlhabende Eltern. Medienunternehmen beuten junge Menschen aus, um Personalkosten zu drücken. Das Ergebnis ist eine Branche, die von jenen beherrscht wird, denen Mama und Papa die Miete zahlen, wenn die Praktikumsentschädigung nicht einmal für den Lebensmitteleinkauf reicht.

Screenshot Facebook: PraktikantIn bei "Guten Abend Österreich" gesucht – Sechs Monate lang, 400 Euro pro Monat,

Insgesamt 2400 Euro für sechs Monate Arbeit bei PULS4 – machbar, wenn Mama und Papa die Miete bezahlen.

Auf Dauer schadet das der ganzen Gesellschaft. Denn die Demokratie wird gestützt von Medien, die im stillen Auftrag der Bevölkerung deren Anliegen vertritt, hinterfragt und kritisiert. Immer stärker jedoch kommen jene, die Spalten und Sendeminuten füllen, nicht aus aus der breiten Bevölkerung. Akademiker*innenkinder schreiben für Blätter, die ihr Papier mit Werbungen für Großstadtgeländewagen und Luxusuhren finanzieren.

Vom Arbeiter mit Pflichtschulabschluss sind sie weit entfernt. Dass er zu fragwürdig kampagnisierenden Gratisblättern greift, haben sich die traditionsreichen Medien selbst zuzuschreiben. Der Mist, der Tag für Tag ins kostenfreie Kleinformat gedruckt wird, bringt für seine Leser*innen keinen Mehrwert, doch zumindest gibt er vor, die Welt der Bevölkerung zu kennen und ihre Anliegen zu vertreten.

Das Zeitungssterben ist hausgemacht. Denn anstatt im Bewusstsein ihres demokratiepolitischen Auftrags ihr Publikum auch personell wieder zu spiegeln, ersetzen die Verlage eine Redakteur*innenstelle mit Praktikant*innen, die in ihren Ferien keine Supermarktregale einschlichten müssen, um das Haushaltsbudget aufzufetten. Medien müssen lernen, dass die intellektuelle Selbstbefriedigung von Privatschulkindern nicht nur der Demokratie nicht nützt. Eine sozial breit aufgestellte Redaktion ist Voraussetzung für ein dauerhaft funktionierendes Medium. Und das muss Unternehmen auch etwas wert sein.

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