Wie Medien Breiviks Spiel mitspielen

Selten haben Medien so offensichtlich versagt wie bei der Berichterstattung über den rechtsextremen Attentäter von Norwegen. Breivik spielt ein perfides Spiel – das Zeitungen und Rundfunksender gerne mitspielen.

Berichterstattung ist oft genug eine Gratwanderung. Auf der einen Seite steht das berechtigte Interesse der Öffentlichkeit an Information, das gestillt werden will. Demgegenüber stehen die Konsequenzen, die Medienberichte haben.

Anders Breivik geht es, wie allen Terrorist*innen, um Aufmerksamkeit. Er ist eine Attention-Whore. Bei einer so unvorstellbaren Tat wie den Anschlägen in Norwegen im vergangenen Sommer bekommt er diese Aufmerksamkeit zwangsläufig. Wenn 77 Menschen getötet werden, kann darüber nicht geschwiegen werden, egal, aus welchem Grund.

Die Frage ist: Welche Aufmerksamkeit gibt man dem Attentäter darüber hinaus? Breivik ist ein Wahnsinniger. Vor Gericht inszeniert er sich als Märtyrer, hält demonstrativ seine Handschellen in Richtung der Kameras, streckt die geballte Faust in die Höhe. Diese Fotos gingen um die Welt, auf Titelseiten, Vorspanne von Nachrichtensendungen und Startseiten von Internetzeitungen.

Traum-PR für den Terroristen

Eine bessere Publicity hätte sich Breivik nicht wünschen können. Sein Konzept geht voll auf: Begehe ein furchtbares Verbrechen und nutze die darauf folgende Aufmerksamkeit, um deine Message zu überbringen.

Dabei begehen die berichtenden Medien einen plumpen aber gewichtigen Fehler. Betrachtet man die (sicherlich nicht repräsentative, aber trendaufzeigende) Resonanz in Online-Foren oder auf Twitter, zeigt sich: Keinen interessiert’s. Im Unterschied zu den betroffenen Medien durchschauen ihre Leser*innen Breiviks PR-Spiel.

Degradierung der Opfer

Mein Wunsch, den, wie ich denke, viele teilen: Bitte verschont mich mit Breivik. Ich will keine Fotos mehr sehen von diesem selbstverliebten Wahnsinnigen, wie er zufrieden lächelt ob der Aufmerksamkeit, die er bekommt. Ich will nicht lesen, dass er »gerührt« ist, weil sein Video vor Gericht gezeigt wird.

Gebt mir Bescheid, wenn es ein Urteil gibt. Bringt meinetwegen eine Meldung, wenn ein Zeuge oder eine Zeugin etwas bisher Unbekanntes aussagt. Aber füttert Breivik nicht mit der Aufmerksamkeit, die er sich wünscht. Das ist nicht nur für viele von uns Leser*innen unerträglich. Vielmehr noch vollendet es die Degradierung der Opfer zu Mitteln zum Zweck – dem Zweck, den der Attentäter verfolgt.